Panoramatapete "Bataille d'Austerlitz"



Panoramatapete "Bataille d'Austerlitz"


Inventar Nr.: L DTM 475 (L DTM NNTH 728)
Bezeichnung: Panoramatapete "Bataille d'Austerlitz"
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 1827-1829
Objektgruppe: Panoramatapete
Geogr. Bezug: Frankreich
Material / Technik: farbiger Handdruck mit Leimfarben auf Bogenpapier
Maße: Bahn 1 239 x 52 cm (Blattmaß)
30 Bahnen 280 x 1560 cm (Blattmaß)
Gesamtmaße 30 Bahnen 242 x 1553 cm (Blattmaß)
Bahn 2 236 x 52,5 cm (Blattmaß)
Bahn 3 238 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 4 236 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 5 239,5 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 6 239,5 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 7 241,5 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 8 239 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 9 241 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 10 239 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 11 241 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 12 240,5 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 13 239 x 51 cm (Blattmaß)
Bahn 14 238 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 15 238,5 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 16 237 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 17 239 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 18 239 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 19 240 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 20 241,5 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 21 240 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 22 239 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 23 241 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 24 242 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 25 238 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 26 240 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 27 241 x 52 cm (Blattmaß)
Bahn 28 241 x 51,5 cm (Blattmaß)
Bahn 29 238 x 51 cm (Blattmaß)
Bahn 30 237 x 52 cm (Blattmaß)


Katalogtext:
Zu den großartigsten Leistungen der Tapetenherstellung gehören Panoramatapeten. Sie kamen kurz vor 1800 auf und wurden bis etwa 1860 ausschließlich in Frankreich produziert und in die ganze Welt exportiert. Beginnend mit dem ersten Entwurf bis hin zum Verkauf konnte die Herstellung einer Panoramatapete bis zu etwa zwei Jahre dauern. Je nach Anzahl der Farben und der Komplexität der Komposition war es notwendig, auf der Grundlage einer 1:1 Vorlage bis zu 3.000 Handdruckmodel zu schnitzen, deren Druckplatten aus für den Druckprozess belastbarem harten Fruchtholz bestanden. Exotische Länder wurden ebenso dargestellt wie literarische Themen oder historische Ereignisse. Ein herausragendes Beispiel für letzteres ist die 30 Tapetenbahnen umfassende „Austerlitz 1805“ in der Sammlung des Deutschen Tapetenmuseums in Kassel, von der nur noch acht weitere Exemplare in weitaus weniger gutem Erhaltungszustand und auch nicht komplett überliefert sind. Das Kasseler Exemplar konnte 1992 für das Deutsche Tapetenmuseum von einer Privatperson angekauft werden, die den Wandschmuck originalverpackt und komplett im Keller seines Hauses entdeckt hatte. Damit wurde die wertvolle Kasseler Sammlung von Panoramatapeten um eine absolute Rarität erweitert.
Auf etwa 15 Metern Länge und 2,80 Metern Höhe stellt die Austerlitz-Tapete eine Hommage an einen der glanzvollsten Siege Napoleons dar, der als „Dreikaiserschlacht“ in die Geschichte eingegangen ist. Leider ist der Hersteller der Tapete ebenso wenig bekannt wie ihr Entstehungsdatum. Letzteres kann jedoch aufgrund technikgeschichtlicher und ikonographischer Aspekte auf etwa 1829/1830 eingegrenzt werden.
Die Darstellung zeigt verschiedene prägnante Phasen des Kampfes, welche sich zunächst als unüberblickbares Kampfgetümmel auf der Wand entfalten. Der hoch gelagerte, felsige Vordergrund bietet der Ansammlung von Personen genügend Platz. Die Akteure des Geschehens gliedern sich in Einzelfiguren, Figurengruppen und schematisierten En-bloc-Darstellungen. Die mit Liebe zum Detail realisierten Figuren und Gruppen mit deutlich porträthaften Zügen sind in den jeweiligen Hauptaktionen in die Menge platziert. Links ist auf den Höhenzügen des Pratzens die Erstürmung durch die Franzosen und der Abzug der alliierten Streitkräfte über die Satschauer Teiche dargestellt (Bahnen 1-7) (Abb. 1). Nach den historischen Überlieferungen hatte zu dieser Zeit der österreichische Kaiser mit den Übriggebliebenen seiner Garde das Schlachtfeld bereits verlassen. Anders hingegen wird diese Begebenheit auf der Tapete dargestellt: Kaiser Franz und Zar Alexander verlassen mit Generalfeldmarschall Weyrother und ihren Gardeoffizieren in gestrecktem Galopp gemeinsam das Schlachtfeld. Ihre Pferde sind mit prachtvollem Zaumzeug und Schabracken ausgestattet. Die Satteldecke von Kaiser Franz ist mit dem österreichischen Doppelkopfadler geschmückt, während jener von Zar Alexander neben dem Doppelkopfadler zusätzlich noch das Emblem der Zarenkrone und die Initiale „A“ hinzugefügt sind.
Die Szenerie in der Mitte beherrscht ein virtuoser Reiterkampf, der sich vor dem Hintergrund des Berges Santon abspielt (Bahnen 8-11). Hier erstürmen die blau uniformierten Franzosen den Pratzen und drängen die russische Infanterie zurück. Füsiliergrenadiere mit den Regimentsfahnen reiten voran. Die Franzosen haben die Frontlinie bereits durchbrochen. Der Entscheidungskampf bestimmt das Zentrum der Tapete (Bahn 14-19) (Abb. 2): Es ist der Zeitpunkt der Schlacht wiedergegeben, als die Russen nach schweren Niederlagen in wachsender Verzweiflung ihre letzte Reserve, die Kaisergarde mit zehntausend Elitesoldaten, freigaben. Im Gegenzug hatte Napoleon seine eigene Garde ins Feld geschickt. Gegen vierzehn Uhr des 2. Dezember 1805 hatte Napoleon den Kampf für sich entschieden. Auf der rechten Seite der Tapete (Bahn 20-30) befindet sich Napoleon, umgeben von seinem Generalstab Stabschef Marschall Berthiér und Prinz Murat. Napoleon wird in dem Augenblick gezeigt, als Rapp ihm die Nachricht von der zerschlagenen russischen Kaisergarde überbringt, die den Sieg bedeutet. Der französische Kaiser sitzt auf einem Schimmel (Abb. 3). Er hatte von der Anhöhe aus das Schlachtgeschehen verfolgt und hält das bereits zusammengeschobene Fernrohr in seiner Linken. Nach rechts wird das Bild abgeschlossen durch aufgerückte Reihen von Gardegrenadieren mit hohen Bärenfellmützen. Vor ihnen paradiert ein hoch aufgereckter Tambourmajor des ersten Grenadier-Regiments und wartet darauf, die zwei Reihen von Trommlern zu befehligen.
(AW 4543 Zeichen)



Literatur:
  • Thümmler, Sabine: Die Geschichte der Tapete. Raumkunst aus Papier. Eurasburg 1998.


Letzte Aktualisierung: 09.08.2022


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